You are using an unsupported browser, so some features may not work. Please upgrade to a modern browser
Ihr Webbrowser ist veraltet und wird leider nicht in vollem Umfang unterstützt.

/ecm diskurs 9: Unruhe im Museumsdepot.

 

9. Juni 2010, 19.30 Uhr
Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Platz 2, 1010 WienEinführungsvortrag:
Unruhe im Museumsdepot: Sammlungsqualifizierung und Deakzession – eine Standortbestimmung
Martina Griesser-Stermscheg, ecm / Univ. für angewandte Kunst Wien

Podiumsdiskussion mit:
Dieter Bogner, bogner cc. – die museumsplaner
Martina Griesser-Stermscheg, ecm / Univ. für angewandte Kunst Wien
Peter Keller, Dommuseum zu Salzburg / ICOM
Ulrike Vitovec, Volkskultur Niederösterreich GmbH
Moderation: Monika Sommer, ecm / Univ. für angewandte Kunst Wien

Die UNESCO geht davon aus, dass weltweit etwa 60 Prozent der Museumsdepots einer kompletten Reorganisation bedürfen, um die jeweiligen Sammlungsbestände langfristig erhalten zu können. Im Health Heritage Index (HHI) von 2005 gaben 58 Prozent der befragten US-amerikanischen Museen an, dass allein durch schlechte Lagerung in den Depots erhebliche Schäden an den Sammlungen entstehen. Eine Realität, die wohl auch in Österreich zutrifft, vor allem in kleinen und mittleren Museen. Ursache ist jedoch nicht die bewusste Vernachlässigung, sondern die mangelnde Übersicht über tatsächlich vorhandene Bestände, die in vielen Fällen mehr An-Sammlung als Sammlung geworden sind, aber auch das ständige, oft beliebige Sammlungswachstum ohne die Definition und Einhaltung von klar formulierten Sammlungsstrategien.

Es besteht Handlungsbedarf. Die Theorie geht davon aus, dass Objekte beim Museumseintritt "dem ökonomischen Kreislauf" auf ewig entzogen werden (Pomian), dass also der Weg ins Museumsinventar eine Einbahn und zugleich Sackgasse ist. Die Praxis sucht mittlerweile nach alternativen Modellen, die eine Neubewertung vorhandener Bestände ("Sammlungsqualifizierung") und möglicherweise sogar eine Abgabe ("Deakzession") dieser zulassen. Beispiele hierfür sind uns aus Großbritannien, den skandinavischen Ländern, den Niederlanden und Deutschland bekannt, wo sich nicht nur die Rechtslage, sondern auch der öffentliche Diskurs um ein bisheriges Tabu-Thema erheblich von der österreichischen Situation unterscheidet.

In einer Veranstaltung im Rahmen von /ecm diskurs geht Martina Griesser-Stermscheg gemeinsam mit drei geladenen ExpertInnen aus unterschiedlichen Praxisfeldern brisanten Fragen in diesem Themenbereich auf den Grund: Wie kann es Museen gelingen, Objekte abzugeben, ohne ihren Erhaltungsauftrag zu sabotieren und das in sie gesetzte Vertrauen zu zerstören? Dürfen sie das? Und wer wäre überhaupt befähigt, eine Neubewertung vorzunehmen, angesichts sich ständig ändernder Moden und Methoden der wissenschaftlichen Bewertung? Welche Strategien haben sich bisher als sinnvoll erwiesen, welche nicht? Sind die europäischen Entwicklungen auf Österreich übertragbar? Führt das Ent-Sammeln tatsächlich zur Steigerung der "Sammlungsqualität"? Wäre es nicht besser, statt der Deakzession künftig an der strikten und öffentlich kontrollierten Einhaltung von Sammlungsstrategien zu feilen?